Sichtbarkeitsindex: Bedeutung, Berechnung und wie du ihn verbesserst

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Written By Max Benz

Wer regelmäßig mit Rankings, Klickzahlen und Wettbewerbsvergleichen arbeitet, stößt früher oder später auf den Sichtbarkeitsindex. Die Kennzahl fasst zusammen, wie präsent eine Domain in den organischen Suchergebnissen ist, und macht diesen Wert über die Zeit sowie gegenüber Mitbewerbern vergleichbar. Eine Zahl statt zehn Einzelberichte. Statt jeden Rankingbericht für sich durchzugehen, bekommt man mit dem Sichtbarkeitsindex einen einzigen Wert, den man beobachten, in Reportings nutzen und über Monate hinweg vergleichen kann.

Dieser Artikel erklärt, was der Sichtbarkeitsindex genau ist, wie er berechnet wird, wie er sich von KI-Sichtbarkeit unterscheidet, was als guter Wert gilt und mit welchen Maßnahmen du ihn gezielt verbesserst. Kompakt und praxisnah. Am Ende findest du außerdem Antworten auf die Fragen, die im Zusammenhang mit dem Sichtbarkeitsindex am häufigsten aufkommen.

Was ist der Sichtbarkeitsindex?

Der Sichtbarkeitsindex ist ein aggregierter Wert, der die Anzahl der Keywords, für die eine Domain rankt, das Suchvolumen dieser Keywords und die jeweilige Ranking-Position zu einer einzigen Kennzahl zusammenfasst. Drei Werte, eine Zahl. Er bildet damit die Sichtbarkeit einer Domain bei Google über ein ganzes Keyword-Set hinweg ab, statt einzelne Rankings isoliert zu betrachten.

Bekannt wurde der Begriff durch SISTRIX. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Erfinder des Sichtbarkeitsindex und berechnet ihn nach eigenen Angaben auf Basis von über 100 Millionen Datenpunkten, gesammelt seit der Gründung im Jahr 2008. Diese Zahl ist eine Eigenangabe von SISTRIX, keine unabhängig geprüfte Branchenstatistik. Sie zeigt aber die Größenordnung, mit der ernsthafte Toolanbieter hier arbeiten.

Screenshot: SISTRIX-Seite zum Sichtbarkeitsindex mit Beispielwert und SI-Rank

SISTRIX hat den Begriff zwar geprägt, besitzt ihn aber nicht exklusiv. Auch XOVI und SEOlytics berechnen eigene Versionen eines Sichtbarkeitsindex, jeweils mit eigener Methodik, eigenem Keyword-Set und eigener Gewichtung. Wer den Wert zweier Tools direkt vergleicht, vergleicht deshalb streng genommen zwei unterschiedliche Kennzahlen mit demselben Namen. Praktisch bedeutet das: Der Sichtbarkeitsindex eines einzelnen Tools taugt als interner Trend über Zeit und im Vergleich zu Wettbewerbern innerhalb desselben Tools. Als absolute, toolübergreifende Zahl taugt er dagegen kaum. Für B2B-Marketingteams, die den Wert regelmäßig in Reportings zitieren, lohnt es sich deshalb, das genutzte Tool immer mit anzugeben, damit die Zahl im richtigen Kontext gelesen wird.

Im Alltag dient der Sichtbarkeitsindex vor allem als Frühwarnsystem und als Kompass für die eigene SEO-Strategie. Nicht mehr, nicht weniger. Ein plötzlicher Einbruch signalisiert oft ein Google-Update, einen technischen Fehler oder den Verlust wichtiger Rankings, noch bevor sich das im Traffic oder in den Leadzahlen zeigt. Umgekehrt bestätigt ein kontinuierlicher Anstieg, dass Content-Arbeit, technische Optimierung und Linkaufbau in die richtige Richtung wirken. Diese Frühwarnfunktion macht den Wert für Marketingteams so nützlich, auch wenn er, wie später im Abschnitt zu den Grenzen des Sichtbarkeitsindex erklärt, nicht mit tatsächlichem Umsatz gleichzusetzen ist.

Wie wird der Sichtbarkeitsindex berechnet?

Drei Eingabewerte stecken hinter dem Sichtbarkeitsindex: die Anzahl der Keywords, für die eine Seite in den Suchergebnissen auftaucht, das Suchvolumen für das jeweilige Keyword und die erwartete Klickrate an der aktuellen Position innerhalb der SERP. Kompliziert klingt das zunächst. Für jedes Keyword wird das Suchvolumen mit einem positionsabhängigen Gewichtungsfaktor multipliziert, die Einzelwerte werden aufsummiert und im Verhältnis zum theoretisch maximal erreichbaren Wert des gesamten Keyword-Sets ausgedrückt.

Grafik: Formel des Sichtbarkeitsindex aus Anzahl Keywords, Suchvolumen und Klickrate nach Position

Zur Veranschaulichung ein Beispiel. Angenommen, eine Domain rankt für drei Keywords: Keyword A hat 1.000 monatliche Suchanfragen und liegt auf Position 2, Keyword B hat 500 Suchanfragen und liegt auf Position 5, Keyword C hat 2.000 Suchanfragen und liegt auf Position 9. Multipliziert man jedes Suchvolumen mit dem passenden Gewichtungsfaktor der Position (dazu gleich mehr) und summiert die drei Ergebnisse, erhält man den Rohwert für dieses kleine Keyword-Set. Skaliert man dasselbe Prinzip auf hunderte oder tausende getrackte Keywords, entsteht der Sichtbarkeitsindex einer gesamten Domain. Dieses Beispiel ist rein illustrativ und dient nur dazu, die Rechenlogik nachvollziehbar zu machen, nicht als exakte Formel eines bestimmten Anbieters.

Bei Keyword B mit 500 Suchanfragen auf Position 5 zeigt sich das Prinzip besonders gut. Der Grund ist einfach. Trotz des kleineren Suchvolumens im Vergleich zu Keyword C trägt Keyword B durch die bessere Position anteilig stärker zum Gesamtwert bei, weil der Gewichtungsfaktor auf Position 5 deutlich höher liegt als auf Position 9. Dieses Zusammenspiel aus Volumen und Position macht den Sichtbarkeitsindex aussagekräftiger als eine reine Ranking-Liste, in der jedes Keyword gleich viel zählt, unabhängig davon, wie viele Menschen tatsächlich danach suchen.

Klickrate nach Ranking-Position

Die Klickrate sinkt mit zunehmendem Abstand von Position 1 deutlich. Übliche Richtwerte liegen bei rund 30 Prozent auf Position 1, etwa 15 Prozent auf Position 2 und ungefähr 10 Prozent auf Position 3, danach fällt die Kurve weiter ab.

PositionUngefähre Klickrate
Position 1ca. 30 %
Position 2ca. 15 %
Position 3ca. 10 %
Position 4 und tieferweiter fallend

Diese Zahlen unterscheiden sich je nach Branche, Gerätetyp und den in der SERP angezeigten Features leicht, das grundsätzliche Muster ist aber branchenübergreifend stabil: Die ersten drei Positionen vereinen den größten Teil der verfügbaren Klicks auf sich, alles danach teilt sich einen deutlich kleineren Rest.

Positionsgewichtung im Überblick

Weil die reine Klickrate allein schwer sauber zu pflegen ist, arbeiten viele Tools stattdessen mit einem festen Gewichtungsfaktor je Position. Die folgende Tabelle zeigt ein gängiges Modell dieser Art.

Ranking-PositionSichtbarkeitsgewichtung
Position 1 bis 31,0 (volle Gewichtung)
Position 40,85
Position 50,60
Position 6 bis 70,50
Position 8 bis 90,30
Position 100,2
Position 11 und schlechter0

Ein Sprung von Position 6 auf Position 3 bringt in der Regel deutlich mehr für den Sichtbarkeitsindex als ein Sprung von Position 15 auf Position 11. Der Grund: Die Kurve verläuft am oberen Ende der ersten Seite am steilsten, und ab Position 11 fällt ohnehin keine Gewichtung mehr an. Daraus ergibt sich ein praktischer Ablauf für die Priorisierung:

Balkendiagramm: Sichtbarkeitsgewichtung nach Ranking-Position von 1,0 bis 0
  • Keyword-Set festlegen, für das die Sichtbarkeit gemessen werden soll
  • Aktuelle Position und Suchvolumen für jedes Keyword erfassen
  • Gewichtungsfaktor der jeweiligen Position anwenden und die Werte aufsummieren
  • Ergebnis in Relation zum maximal möglichen Wert des Keyword-Sets setzen
  • Verlauf über Zeit und im Vergleich zu Wettbewerbern regelmäßig beobachten

Das Keyword-Set gehört dabei nicht auf Dauer eingefroren. Neue Suchbegriffe kommen hinzu, wenn eine Seite neue Inhalte veröffentlicht oder sich in neue Themenbereiche ausdehnt. Andere Keywords verlieren zeitgleich an Relevanz, etwa weil sich die Suchintention der Nutzer verschiebt. Ein Keyword-Set, das einmal festgelegt und danach nie wieder überprüft wird, verzerrt den Sichtbarkeitsindex mit der Zeit zunehmend, weil er dann nicht mehr das aktuelle, sondern ein veraltetes Bild der eigenen Relevanz abbildet.

Sichtbarkeitsindex vs. KI-Sichtbarkeit

Gemessen wird bei beiden Kennzahlen etwas anderes. Der klassische Sichtbarkeitsindex erfasst, wie gut eine Domain in traditionellen organischen Suchergebnissen abschneidet und wie viele der verfügbaren Klicks sie dabei erzielt. KI-Sichtbarkeit misst etwas Verwandtes, aber Eigenständiges: wie oft eine Marke in KI-generierten Antworten von Systemen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity erwähnt, empfohlen oder als Quelle zitiert wird.

Der Unterschied liegt im Grundprinzip. Klassische Suchmaschinen-Sichtbarkeit basiert auf einer Rangfolge, dem Modell der zehn blauen Links, bei dem die Position alles entscheidet. In einer KI-generierten Antwort gibt es keine Position im klassischen Sinn. Stattdessen zählt, ob eine Marke überhaupt genannt wird und wie oft eine bestimmte Seite als Quelle verlinkt oder zitiert wird. Markenerwähnung und Zitierhäufigkeit ersetzen hier die Ranking-Position als zentrale Messgröße, und auch Auftritte in AI Overviews innerhalb der klassischen Google-Suche fallen inhaltlich in diese zweite Kategorie.

Klassischer SichtbarkeitsindexKI-Sichtbarkeit
Was es misstAnteil an Klicks/Impressionen aus organischen RankingsAnteil an Erwähnungen oder Zitationen in KI-generierten Antworten
KerneinheitRanking-Position auf einer SERPPräsenz innerhalb einer generierten Antwort
Primäre InputsSuchvolumen, Klickrate nach PositionMarkenerwähnung, Zitier- und Verlinkungshäufigkeit
Wo es stattfindetGoogle, Bing und vergleichbare SuchmaschinenChatGPT, Gemini, Perplexity, AI Overviews

Konkret zeigt sich der Unterschied so: Eine Marke kann für ihr wichtigstes Keyword seit Jahren stabil auf Position 1 stehen und damit einen hohen klassischen Sichtbarkeitsindex halten. In den Antworten von ChatGPT oder Perplexity zu einer verwandten Frage taucht sie trotzdem kaum oder gar nicht auf, weil diese Systeme andere Quellen als besonders vertrauenswürdig oder zitierfähig einstufen. Umgekehrt gibt es Marken, die in KI-generierten Antworten regelmäßig empfohlen werden, in den klassischen organischen Rankings für dieselben Themen aber nur auf Seite zwei oder drei stehen. Beide Ausgangslagen erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Es ergibt deshalb wenig Sinn, KI-Sichtbarkeit einfach als Unterpunkt des klassischen Sichtbarkeitsindex zu behandeln.

Keine der beiden Kennzahlen macht die andere überflüssig. Beide zählen. Eine Seite kann in der klassischen Suche stark ranken und in KI-generierten Antworten trotzdem selten auftauchen, und der umgekehrte Fall kommt ebenso vor. Immer mehr SEO-Teams beobachten deshalb beide Werte parallel, statt sich ausschließlich auf den klassischen Sichtbarkeitsindex zu verlassen. Im Tagesgeschäft heißt das: Der Sichtbarkeitsindex bleibt die richtige Kennzahl für klassische Rankings, ersetzt aber nicht die Beobachtung, wie eine Marke in generativer Suche vorkommt. Wer beide Werte nebeneinander im Reporting führt, erkennt frühzeitig, ob Sichtbarkeit insgesamt wächst oder sich nur von einem Kanal zum anderen verschiebt.

Was ist ein guter Sichtbarkeitsindex-Wert?

Einen einzigen, universell gültigen Zielwert gibt es nicht. Zu viele Variablen spielen mit. Der Sichtbarkeitsindex fällt je nach Branche, Keyword-Set-Größe und verwendetem Tool unterschiedlich aus. Als grobe Orientierung gelten in wettbewerbsintensiven Branchen Werte zwischen 35 und 50 Prozent als stark. Kleinere oder jüngere Marken mit einem schmaleren Keyword-Set sind dagegen schon mit 20 bis 30 Prozent solide aufgestellt.

Eine grobe Einordnung des eigenen Werts:

  • 0 bis 10 Prozent: niedrige Sichtbarkeit, die Domain taucht für ihre Ziel-Keywords kaum auf
  • 11 bis 30 Prozent: solide bis gute Basis, typisch für wachsende Seiten, die noch an Autorität gewinnen
  • 31 bis 50 Prozent: starke Position mit durchgehend guten Platzierungen auf Seite eins für die wichtigsten Begriffe
  • 51 Prozent und mehr: außergewöhnlicher Wert, wie ihn Marktführer erreichen, die ihre SERPs dominieren

So liest du deinen eigenen Wert: Ein Sichtbarkeitsindex von 22 Prozent ist für eine kleine Nischenmarke ein gutes Ergebnis, für einen etablierten Marktführer in einer umkämpften Branche dagegen eher schwach. Zahlen ohne Kontext lügen. Entscheidend ist deshalb nicht die absolute Zahl, sondern die Entwicklung im Vergleich zu direkten Wettbewerbern und im Zeitverlauf. Ein Anstieg von Seite zwei auf Seite eins für die wichtigsten Kern-Keywords zählt als echter Fortschritt, auch wenn der rohe Indexwert dabei weiterhin deutlich unter 50 Prozent bleibt. Auch die Anzahl der getrackten Keywords spielt eine Rolle: Ein schmales, sehr fokussiertes Keyword-Set führt tendenziell zu höheren Werten als ein breit angelegtes Set mit vielen Long-Tail-Begriffen, was einen direkten Vergleich zwischen sehr unterschiedlich aufgestellten Domains zusätzlich erschwert.

Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich dieselbe Zahl gelesen werden muss. Ein regional tätiger B2B-Dienstleister mit einem engen Set aus zwanzig Kern-Keywords kann bei 28 Prozent bereits sehr zufrieden sein, weil er in seiner Nische fast durchgängig auf Seite eins steht. Dagegen braucht ein bundesweit aktiver Anbieter mit mehreren tausend getrackten Keywords oft einen Wert jenseits der 40-Prozent-Marke, um von einer wirklich starken Position sprechen zu können, weil ein so breites Set naturgemäß auch viele schwächer platzierte Randbegriffe enthält. Wer den eigenen Wert einordnen will, sollte deshalb immer die Größe und Zusammensetzung des eigenen Keyword-Sets mit im Blick behalten, bevor er ihn mit einer pauschalen Branchenzahl vergleicht.

Vorteile und Nachteile des Sichtbarkeitsindex

Echten Nutzen für die tägliche SEO-Arbeit bringt der Sichtbarkeitsindex zweifellos. Klare Grenzen gibt es trotzdem. Sie sollten bei der Interpretation mitgedacht werden. Wer beide Seiten kennt, nutzt die Kennzahl als Werkzeug für Entscheidungen statt als alleinige Erfolgsmessung. Die folgende Übersicht trennt bewusst zwischen dem, was der Wert leistet, und dem, was er nicht abbilden kann.

Vorteile im Überblick

  • Wettbewerbsanalyse: Der Sichtbarkeitsindex erlaubt einen objektiven Vergleich mit direkten Wettbewerbern, ohne dass dafür Zugriff auf deren interne Analytics-Daten nötig wäre. Gerade im B2B-Umfeld, wo Wettbewerber selten offene Zahlen teilen, ist das oft die einzig praktikable Vergleichsbasis.
  • Historischer Verlauf: Über die Zeit betrachtet, funktioniert der Index wie eine Art Zeitmaschine für die eigene Sichtbarkeit. Trends, plötzliche Einbrüche und die Auswirkungen von Google-Updates werden auf einen Blick sichtbar, oft lange bevor sich das im tatsächlichen Traffic zeigt.
  • Unabhängige Erfolgsmessung: Weil der Wert nicht auf internen Traffic-Zahlen basiert, lässt sich SEO-Erfolg damit auch gegenüber Stakeholdern belegen, die keinen direkten Zugriff auf die eigene Website-Analytics haben, etwa in agenturübergreifenden Reportings.

Grenzen des Sichtbarkeitsindex

  • Datenaktualität: Die zugrunde liegenden Rankingdaten werden nicht in Echtzeit erhoben, sondern in Zyklen aktualisiert, wodurch der angezeigte Wert der tatsächlichen aktuellen Situation immer etwas hinterherhinkt. Echtzeit ist das nicht.
  • Keine direkte Traffic- oder Umsatzzuordnung: Ein steigender Sichtbarkeitsindex bedeutet nicht automatisch mehr Besucher oder Umsatz, da er weder Conversion-Raten noch die tatsächliche Klickbereitschaft der Nutzer für ein konkretes Angebot abbildet. Zwei Domains mit identischem Indexwert können völlig unterschiedliche Umsatzzahlen erzielen.
  • Unterschiedliche Methodik je Tool: Da SISTRIX, XOVI, SEOlytics und andere Anbieter jeweils eigene Keyword-Sets, Gewichtungen und Berechnungsgrundlagen verwenden, sind Werte unterschiedlicher Tools nicht direkt miteinander vergleichbar, selbst wenn sie denselben Namen tragen und ähnlich aussehen. Vorsicht ist also geboten.

Wertlos wird der Sichtbarkeitsindex durch diese Grenzen trotzdem nicht. Sie zeigen nur, wofür er nicht gedacht ist. Als alleinige Kennzahl für ein Vorstands-Reporting taugt er wenig, weil sich daraus kein Umsatzbezug ableiten lässt. Als Frühindikator für Wettbewerbsverschiebungen und als Trendlinie über Monate und Jahre bleibt er dagegen eines der praktischsten Werkzeuge, das im klassischen SEO zur Verfügung steht. In der Praxis bewährt sich deshalb eine Kombination aus Sichtbarkeitsindex, tatsächlichen Traffic-Zahlen aus der eigenen Analytics-Lösung und, wo relevant, Conversion-Daten, statt sich auf eine einzelne Kennzahl zu verlassen. So lässt sich ein Anstieg der Sichtbarkeit auch daraufhin prüfen, ob er sich tatsächlich in mehr qualifizierten Besuchern niederschlägt.

Wie du deinen Sichtbarkeitsindex verbesserst

Fünf Stellhebel wirken in der Praxis am zuverlässigsten auf den Sichtbarkeitsindex, weil sie entweder zusätzliche Keywords in den messbaren Sichtbarkeitsbereich bringen oder bestehende Rankings auf besser gewichtete Positionen heben. Keine dieser Maßnahmen wirkt isoliert. Meistens verstärken sich mehrere Hebel gegenseitig, wenn sie über mehrere Monate hinweg konsequent verfolgt werden.

  1. Suchintention treffen. Prüfe, welche Seitentypen aktuell für ein Keyword tatsächlich ranken. Das kostet nur wenige Minuten. Wenn die Top-Ergebnisse Vergleichslisten sind und die eigene Seite ein einzelnes Produkt bewirbt, bleibt die Sichtbarkeit flach, unabhängig davon, wie gründlich die Seite technisch und inhaltlich sonst optimiert ist. Die Anpassung an die tatsächliche Suchintention schlägt fast immer weitere On-Page-Feinarbeit.
  2. Backlinks zu starken Seiten aufbauen. Identifiziere schwächere Seiten, die für relevante Keywords bereits ranken, baue Inhalte, die diese Seiten inhaltlich klar übertreffen, und sprich anschließend gezielt die Domains an, die aktuell auf die schwächere Seite verlinken. Dieser Ansatz liefert planbarere Ergebnisse als breit gestreute, generische Linkanfragen.
  3. Interne Verlinkung stärken. Verlinke von thematisch verwandten Seiten der eigenen Domain gezielt auf die Seiten, die den größten Sichtbarkeitshebel haben, und verwende dabei beschreibende Anchor-Texte statt generischer Formulierungen wie „hier klicken“. Eine konsequente interne Verlinkung verteilt vorhandene Autorität dorthin, wo sie den größten Effekt auf den Sichtbarkeitsindex hat.
  4. Striking-Distance-Keywords angehen. Keywords, die bereits zwischen Position 2 und 12 ranken, lassen sich meist am schnellsten weiter nach vorne bringen, weil für diese Begriffe schon eine gewisse Relevanz und Autorität besteht. Ein gezieltes Update der bestehenden Inhalte reicht hier oft aus, ganz ohne neue Seiten oder neue Backlinks.
  5. Für SERP-Features optimieren. AI Overviews, People-Also-Ask-Boxen und Bildpakete erscheinen mittlerweile bei einem erheblichen Teil der Suchanfragen und verändern spürbar, wie viel tatsächliche Sichtbarkeit eine reine Top-Position noch wert ist. Inhalte, die klar strukturiert, in kurze beantwortbare Abschnitte gegliedert und leicht extrahierbar aufbereitet sind, gewinnen zusätzliche Sichtbarkeit, die über die klassische Position in den blauen Links hinausgeht.

Kurz-Checkliste zum Abhaken: Suchintention pro Ziel-Keyword geprüft, konkrete Backlink-Ziele identifiziert, interne Links mit beschreibenden Anchor-Texten gesetzt, Striking-Distance-Keywords priorisiert und aktualisiert, Inhalte für SERP-Features strukturiert und in extrahierbare Abschnitte gegliedert.

Am wirksamsten arbeiten diese fünf Hebel, wenn sie regelmäßig wiederholt statt einmalig abgearbeitet werden. Striking-Distance-Keywords verschieben sich von Monat zu Monat, neue Wettbewerber tauchen in den Top-Ergebnissen auf, und auch die Struktur der SERPs selbst verändert sich, je nachdem, wie häufig Google neue Features wie AI Overviews für ein bestimmtes Themenfeld einblendet. Ein fester Rhythmus, etwa eine quartalsweise Durchsicht aller fünf Punkte, verhindert, dass frühere Fortschritte durch neue Wettbewerbsaktivität wieder aufgezehrt werden.

Häufige Fragen zum Sichtbarkeitsindex

Kann man einen Sichtbarkeitsindex von 100 Prozent erreichen?

Praktisch nicht. Ein Wert von 100 Prozent würde bedeuten, für jedes einzelne getrackte Keyword die Bestposition zu halten. Sobald ein Keyword-Set mehr als eine Handvoll Begriffe umfasst, ist das faktisch unerreichbar, weil immer irgendein Wettbewerber zumindest für einzelne Keywords vorne liegt. Sinnvoller ist es, den Sichtbarkeitsindex als wachsenden Anteil zu betrachten, den es kontinuierlich auszubauen gilt, nicht als Obergrenze, die je erreicht werden muss.

Was gilt als guter Sichtbarkeitsindex-Wert?

Eine feste, universelle Zahl gibt es nicht. 35 bis 50 Prozent gelten in wettbewerbsintensiven Branchen als starker Wert, 20 bis 30 Prozent reichen kleineren oder jüngeren Marken bereits als solides Ziel. Wichtiger als die absolute Zahl bleibt in beiden Fällen die Entwicklung im Vergleich zu direkten Wettbewerbern über einen längeren Zeitraum.

Welches Tool berechnet den Sichtbarkeitsindex?

Es gibt kein einziges offizielles Tool, das den Sichtbarkeitsindex verbindlich für alle festlegt. SISTRIX gilt als Erfinder des Begriffs und ist im deutschsprachigen Raum am bekanntesten, aber auch XOVI, SEOlytics und weitere Anbieter berechnen eigene Versionen eines Sichtbarkeitsindex, jeweils mit eigener Methodik, eigenem Keyword-Set und eigener Gewichtung. Beim eigenen Vergleich sollte deshalb immer innerhalb desselben Tools gemessen werden, da ein Wechsel des Anbieters allein durch die unterschiedliche Berechnungsgrundlage einen Sprung nach oben oder unten auslösen kann, der nichts mit der tatsächlichen Sichtbarkeit der Domain zu tun hat.

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